Ausgehtipp in DNEWS24

Ausstellungstipp: This Is Me, This Is You. Die Eva Felten Fotosammlung

Die Ausstellung This Is Me, This Is You gewährt der Öffentlichkeit erstmals Einblick in eine international bedeutende Fotosammlung, die über vier Jahrzehnte hinweg gewachsen ist.

Die großzügige Schenkung der Eva Felten Fotosammlung erweitert die Bestände des Museums Brandhorst um 429 Werke von mehr als 140 Künstlern von den 1930er-Jahren bis in die unmittelbare Gegenwart. Die Schenkung markiert einen historischen Moment in der Geschichte des Museums, dessen Sammlung sie nicht nur entscheidend vergrößert, sondern mit dem Medium Fotografie um eine zentrale Praxis der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts bereichert. Damit schließt sie zugleich eine Lücke im Museum Brandhorst, das seit seiner Eröffnung 2009 zu einem der bedeutendsten Museen für zeitgenössische Kunst in Deutschland herangewachsen ist.

„This Is Me, This Is You“ versammelt namhafte Positionen der Fotografiegeschichte von Robert Frank, Evelyn Hofer, Gordon Parks über Isaac Julien, Sherrie Levine, Richard Prince bis zu Zoe Leonard, Arthur Jafa und LaToya Ruby Frazier. In einer Auswahl von rund 140 Arbeiten widmet sie sich den komplexen Blickbeziehungen in der Fotografie und reflektiert dabei Fragen nach Intimität und Begehren ebenso wie nach Machtverhältnissen und strukturellen Ungleichheiten, die sich in das Medium einschreiben. Titelgebend für die Ausstellung ist eine Arbeit von Roni Horn. Die US-amerikanische Künstlerin hat mit „This Is Me, This Is You“ (1997-2002) ein Schlüsselwerk geschaffen, das Fragen nach der Flüchtigkeit von Identität ebenso aufwirft wie nach der Präsenz von Fotografen innerhalb ihrer Werke.

Mit ihrer markanten Aussage „Where you look from is always half the picture“ brachte die US-amerikanische Künstlerin Zoe Leonard (*1961) auf den Punkt, wie zentral die historische, soziale und physische Perspektive der Fotografierenden sowie der Betrachtenden für die Interpretation von Kunst ist. Die Begegnung mit der Fotografie ist somit nicht nur eine Begegnung mit den Abgebildeten, sondern auch mit den Fotografen selbst. Basierend auf dieser Beobachtung widmet sich die Ausstellung „This Is Me, This Is You“ verschiedenen Bildstrategien der Fotografie in sieben thematischen Kapiteln.

Sie umfassen eindringliche Porträts, bekannte Werke der Street Photography und der sozialkritischen Fotografie sowie konzeptuelle Arbeiten und bedeutende Positionen der Appropriation Art. Werke von historischen und zeitgenössischen Künstlern aus verschiedenen geografischen und künstlerischen Kontexten schaffen einen internationalen Rahmen, um über die Politik und Dynamik des fotografischen Blicks nachzudenken.

Ein Kapitel der Ausstellung führt zurück zu der berühmten Serie „Menschen des 20. Jahrhunderts“, die August Sander 1925 konzipierte. Obwohl keine Werke des Fotografen selbst zu sehen sind, finden sich zahlreiche Arbeiten von internationalen Künstlern wie Diane Arbus, Jitka Hanzlová, Rineke Dijkstra und Issei Suda, die entweder unmittelbar von Sanders Strategie beeinflusst sind, Individuen im Kontext ihrer Gesellschaft darzustellen, oder daran anschließen. Ein weiteres Kapitel widmet sich der Street Photography mit Positionen von Robert Frank über Gordon Parks und Vivian Maier bis hin zu Helga Paris. Gegenüber diesen Werken, die auf Streifzügen durch die Stadt entstanden sind, stehen Arbeiten von Künstlern, die die Inszenierung als Bildstrategie wählen, wie Philip-Lorca diCorcia oder Tracey Moffatt. Ein eigener Raum in der Ausstellung widmet sich der Intimität, die oft zwischen Fotografen und den Abgelichteten entsteht und die in den Fotografien spürbar wird. Hier sind Werke von Diane Arbus, Walter Pfeiffer und Deana Lawson zu sehen. Im Kapitel zur Appropriation Art werden historische Positionen der Strömung, vertreten durch Richard Prince und Sherrie Levine, mit Werken von Nobuyoshi Araki und Arthur Jafa in einen Dialog gesetzt, die der Praxis der Bildaneignung eine neue Dimension verleihen. Das größte Kapitel der Ausstellung befasst sich mit der Fotografie als sozialem und politischem Raum. Arbeiten von LaToya Ruby Frazier, Isaac Julien, Carrie Mae Weems oder Anthony Hernandez reflektieren die gesellschaftliche und politische Relevanz, die dem Medium inhärent sind.

„This Is Me, This Is You“ gewährt einen umfassenden Einblick in die Sammlung Eva Felten, die nahezu 100 Jahre Fotografiegeschichte umfasst. Die Präsentation spiegelt die internationale Bandbreite der Sammlung wider und widmet sich Erzählstrategien der Fotografie, die von poetisch-dokumentarischer Zufälligkeit bis hin zu sorgfältig inszenierten Kompositionen reichen. Fotografien spielen eine aktive Rolle bei unserem Verständnis von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, sei es als Dokument, Metapher oder Fiktion. Sie sind ein performatives Mittel zur Herausbildung von Identität, ein appellatives Instrument für politische und soziale Veränderungen sowie eine subversive Strategie der Sichtbarkeit und Erinnerung.

Katalog

Begleitend erscheint ein Katalog, der mit 380 Farbabbildungen einen lebendigen Eindruck der umfangreichen Bestände der Fotosammlung Eva Felten vermittelt und sie anhand ausgewählter Kapitel reflektiert. ISBN 978-3-422-80116-5.

Museum Brandhorst

Theresienstraße 35 a
80333 München

Öffnungszeiten

Täglich außer Montag: 10:00 – 18:00 Uhr
Donnerstag: 10:00 – 20:00 Uhr

Ticketpreise

7 Euro

Mehr Informationen: museum-brandhorst.de.

DNEWS24 auf Twitter folgen

DNEWS24-Beitrag teilen

Der Beitrag Ausstellungstipp: This Is Me, This Is You. Die Eva Felten Fotosammlung erschien zuerst auf Demografie – Wir informieren, Sie entscheiden!.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert