Der Kommentar am Sonntag in DNEWS24.

Gedankenmacher: 100 Jahre Rundfunk – mein Radio

Richtig alt und doch noch immer en vogue für alle Generationen: das Radio wird 100 Jahre alt. Und lebt weiter.

Als ich geboren wurde, verfügten meine Eltern bereits über einen Fernseh-Apparat. Dennoch war das häusliche Radio mein persönliches Tor zur Welt. Langwellensender brachte mich in Städte und Länder, von denen ich bis dahin nichts geahnt hatte. Eine frühe Erinnerung ist eine Live-Übertragung eines – damals häufigen – Putsches in einem südamerikanischen Staat. Schon etwas älter war ich beim Finale einer Fußball-WM auf Klassenfahrt. So blieb mir erspart, dass Wembley-Tor zu sehen. Ich hörte nur die Empörung des Radio-Reporters über die zweifelhafte Entscheidung des sowjetrussischen Schiedsrichters.

Montagabend von 20.00 bis 21.00 Uhr war fast immer RIAS mein Sender. Die Schlager der Woche mit Lord Knud waren ein „MUSS“. Schade nur, wenn die Aufzeichnung mit dem Radiorekorder ruiniert wurde, weil der Lord in die letzten Takte des Songs hineinmoderierte.

Am 9. November 1989 war ich in Hannover zum Abendessen verabredet. Nach dem Essen stieg ich in mein Auto, um in meine Wohnung zu fahren. Zuerst schaltete ich das Auto-Radio ein, dann schnallte ich mich an. Was ich im Radio hörte, klang unglaublich. Die Berliner Mauer war gefallen, die Bürger Ost-Berlins strömten in den Westen. Angekommen in meinem Appartement schaltete ich das TV-Gerät ein und sah in der ARD Hanns Joachim Friedrichs und die bekannten Reporter-Gesichter des Sender Freies Berlin von der Bornholmer Brücke und dem Kudamm berichten.

Noch heute höre ich gern Aufzeichnungen historischer Radio-Reportagen. Jeden Tag verfolge ich im Radio aktuelle Nachrichten und höre Hintergrund-Analysen.

Die Vielfalt des Radios war noch nie so groß wie heute. Wer weder Facebook noch Twitter nutzen will, kann sich via Radio sein Bild von der Welt machen.

Leider gibt es in Deutschland kein Rundfunk-Museum, das die Geschichte des Radios umfassend dokumentiert und richtig vermittelt. Das zu gründen wäre zum 100. Geburtstag doch mal eine Idee – oder?

Der Autor

Uwe-Matthias Müller ist Gründer und Vorstand des Bundesverband Initiative 50Plus, des Bundesverband Initiative 50Plus Austria und Sprecher des European Center of Competence for Demography.

Bis 1996 hat er mit seiner Frau und den beiden Töchtern in (West-)Berlin gelebt. Nach zwei Jahren im Ausland lebt er heute in Bayern.

Uwe-Matthias Müller kommt viel und gern nach Berlin. „Als Berliner auf Zeit geniesst man nur die Vorteile der Hauptstadt und kann die vielen Unzulänglichkeiten, unter denen die Bewohner täglich leiden, einfach ignorieren.“

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