Der Kommentar am Sonntag in DNEWS24.

Gedankenmacher: Abgehoben

Sparen wie die Osnabrücker Hausfrau? Das wäre dann doch des Guten zu viel.

„Über den Wolken
Muss die Freiheit wohl grenzenlos sein
Alle Ängste, alle Sorgen
Sagt man
Blieben darunter verborgen
Und dann
Würde was uns groß und wichtig erscheint
Plötzlich nichtig und klein“

Reinhard Mey

Es scheint surreal. Nachdem das Bundesverfassungsgericht der Ampelregierung bescheinigt hat, dass sie mit dem Haushalt 2023 gegen die Verfassung verstoßen hat, muss Deutschland sparen. Jeder immer und überall. Das ist auch der Auslöser für die vehementen und friedlichen Bauernproteste.

Zwei Grüne an einem Tag. Während der frühere Generalsekretär seiner Partei, der mit dem Posten des Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz belohnte Michael Kellner, die Abschaffung der Subvention für den Agrardiesel damit begründet, dass Diesel ja umweltschädlich sei und daher der Wegfall der Subvention für den Agrardiesel gut und richtig wäre (Kellner fährt laut Umwelthilfe übrigens einen Dienst-Audi e-tron 55) sagte Winfried Kretschmann, Ministerpräsident in Baden-Württemberg, im Deutschlandfunk, man könne die Bauern nicht so drangsalieren und es gäbe zum Diesel auch keine technische Alternative – E-Traktoren seien nun mal nicht verfügbar.

Jüngst erschien ein Bericht über einen Rentner, der von Wartenberg am Ostrand Berlins eine Stunde mit der BVG nach Wilmersdorf fährt, um sich dort bei der Caritas aufzuwärmen und mit anderen Bürgern zu quatschen. Er hat so wenig Geld zur Verfügung, dass er seine Wohnung nicht richtig heizen kann. So wie ihm geht es Millionen Rentnern und arbeitenden Bürgern, auch oft denen, die sich von den Gaben der Tafeln ernähren müssen. Oder den Studenten, die auf BAFÖG angewiesen sind, das aber bestenfalls 100 Euro unter dem Bürgergeld-Satz bleibt.

Die soziale Schieflage in unserem Land wird immer schräger. Und bedrückender. Und gefährlicher – für unser gesellschaftliches Miteinander, für unsere Demokratie.

Alle müssen sparen? Nicht wirklich alle. Bundeskanzler Olaf Scholz will weiter unbedingt seinen Erweiterungsbau des Kanzleramtes für schlappe 800 Millionen. Und zusätzlich sollen jetzt auch noch drei neue Helikopter für die – laut Flugbereitschaft der Bundeswehr – Politprominenz angeschafft werden. 200 Millionen Euro kostet das den Steuerzahler, die Lokführer, die Bauern.

Schließlich wollen es Scholz & Co komfortabel haben, wenn sie abgehoben über immer dunkleren Wolken, die sich über dem Regierungsviertel in Berlin zusammenziehen, darüber nachdenken, wie es mit Deutschland weitergehen soll. Vielleicht liegt es ja an der abgehobenen Perspektive, dass Olaf Scholz in seinen Sonntagsreden ein Bild von Deutschland zeichnet, das nach dem Gefühl der Bürger mit der Realität des Landes nichts zu tun hat.

Wie wäre es, wenn der Bundeskanzler statt mit dem Dienst-Mercedes S 680 Guard oder dem neuen Helikopter einfach mal in Berlin mit der U5, U6 oder U8 in die sozialen Brennpunkte fahren würde? Dann bekäme er einen Eindruck von unserem Deutschland, wie es in der Hauptstadt wirklich ist…

Bild: © Jane Schmidt Bundeswehr, Leon McBride unsplash

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Der Autor

Uwe-Matthias Müller ist Gründer und Vorstand des Bundesverband Initiative 50Plus, des Bundesverband Initiative 50Plus Austria und Sprecher des European Center of Competence for Demography.

Bis 1996 hat er mit seiner Frau und den beiden Töchtern in (West-)Berlin gelebt. Nach zwei Jahren im Ausland lebt er heute in Bayern.

Uwe-Matthias Müller kommt viel und gern nach Berlin. „Als Berliner auf Zeit geniesst man nur die Vorteile der Hauptstadt und kann die vielen Unzulänglichkeiten, unter denen die Bewohner täglich leiden, einfach ignorieren.“

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