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Türkei: der Braindrain verstärkt sich

Immer mehr junge und gut ausgebildete Türken wollen ihr Land verlassen. Die Gründe sind vielfältig – die Hürden auch.

Die 84 Millionen Einwohner der Türkei genießen eine gute Bildungs-Infrastruktur. Für alle Türken besteht eine generelle Schulpflicht. Der Besuch an staatlichen Schulen ist kostenlos. Das Einschulungsalter wurde im Zuge einer Schulreform im Jahr 2012 auf fünf Jahre herabgesetzt und die Schulpflicht von acht auf zwölf Jahre verlängert. Die Grundschulbildung umfasst den Unterricht für fünf- bis achtjährige Kinder, die Mittelschulbildung den Unterricht für neun- bis 13-jährige Kinder. Die Oberschule umfasst eine vierjährige Ausbildung für 14- bis 17-jährige Jugendliche an allgemeinbildenden oder beruflich-technischen Gymnasien, an denen Berufsbildung für technisches Fachpersonal in der Industrie und dem Dienstleistungssektor durchgeführt wird. Nach zwölf Jahren hat jeder Schüler und jede Schülerin nach Abschluss der Schule das Recht, an der Hochschulzugangsprüfung teilzunehmen.  Zwischen 2001 und 2020 hat sich die Anzahl der Studierenden verfünffacht und erreichte 2020 knapp 8 Mio. Türken.

Immer mehr der gut ausgebildeten Türken suchen ihr Glück im Ausland. 2022 waren es allein 140.000 Bürger.

Gründe für den Braindrain

Die anhaltend schlechte wirtschaftliche Lage der Türkei, die durch eine galoppierende Inflation gekennzeichnet wird, ist für junge Menschen ein Grund, die Türkei zu verlassen. Während das Einkommen von Akademikern in ländlichen Gebieten für das tägliche Leben knapp ausreicht, ist das in Städten wie Ankara und Istanbul schon ganz anders. Dort reicht ein Job häufig nicht aus, die hohen Lebenshaltungskosten zu finanzieren.

Die von vielen so empfundene zunehmende repressive Haltung der Regierung des Langzeit-Herrschers Recep Tayyip Erdoğan ist ein weiterer Grund freiheitsliebender Türken, ihrem Land den Rücken zu kehren. Andererseits ist aber genau dies für viele ein Grund, im Land zu bleiben, da sie den Staat und die Gesellschaft von innen reformieren wollen.

Letztlich wollen viele junge Türken Erfahrungen in einem Job im Ausland sammeln, um diese später – nach der Rückkehr in ihre Heimat – sinnvoll einsetzen zu können.

Fachkräfte aus der Türkei als Chance für Deutschland

In Deutschland gibt es einen latenten Fachkräftemangel, der durch den demografischen Wandel nicht nur anhalten, sondern sich noch verstärken wird. Auswanderungswillige junge Türken wollen gern nach Deutschland kommen, da es hier bereits eine starke türkische Community gibt, sagt Gürcan Bicik von Fachkraeftepools.com. „Für junge Türken kann aufgrund der guten Anschluss-Möglichkeiten Deutschland zu einer zeitweisen zweiten Heimat werden.“, so Bicik.

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